Andreas Kossert: Masuren-Ostpreußens vergessener Süden

Mit seinem Werk „MasurenOstpreußens vergessener Süden“ hat Andreas Kossert ein Lücke in der wissenschaftlichen Betrachtung dieses Landes geschlossen. Während bisherige Darstellungen von polnischer, wie auch von deutscher Seite, Masuren jeweils als urpolnisch bzw. urdeutsch reklamierten, bemüht sich Kossert eine neutrale Haltung einzunehmen und die Masuren in ihrer ethnischen Eigenart als preußische Deutsche mit polnischer-masurischer Mundart, slawisch klingenden Nachnamen und deutschen Vornamen darzustellen. Dadurch, dass Kossert sich sowohl polnischer als auch deutscher Quellen bedienen konnte, erfährt der kundige Leser zum ersten Mal mehr über die Hintergründe der polnischen Masurenpolitik.

Die Kritik an der deutschen Germaniesierungpolitik seit 1872 überwiegt meines Erachtens allerdings ein wenig, da hier der Blick auf das große Ganze vernachlässigt wird. Deutschland begann erst mit der Reichsgründung ein Nationalstaat zu werden, während andere europäische Staaten, auch Polen, schon Nationalstaaten waren bzw. – im Falle Polens – ein nationale Identität hatten. In Deutschland musste sich der Nationalstaat gegen einen starken Regionalismus durchsetzen, wobei insbesondere die ethnisch gemischten Grenzregionen ins Augenmerk des neuen zentralistischen Nationalstaates fielen.Auch die Kritik, die masurische Sprache und Kultur sei untergegangen, weil die alten auschliesslich deutschsprachigen Eliten diese vernachlässigt hätten, verkennt die Situation der Masuren nach dem Krieg. Wer sollte denn nun noch masurisch sprechen, wo man über ganz Deutschland verteilt lebte, keiner wollte doch als „Pollack“ beschimpft werden und vor allem sprach doch die zuletzt in der masurischen Heimat geborene Generation ohnehin kein masurisch mehr. Darüber hinaus stellt Kossert selbst fest, dass praktisch die Gesamtheit der Masuren niemals polnisch sein wollte, dass wurde 1920 im Abstimmungsverhalten, ab 1933 leider auch im Wahlverhalten und ab 1944 an der überwiegenden Flucht der Masuren in Reichsgebiet deutlich.

Die masurische Ethnie ist in der deutschen Kulturgemeinschaft aufgegangen und hat sicher auch ihre Spuren hinterlassen – und wenn es auch nur noch die Erinnerung an dieses unbeschreiblich schöne Land und seine Menschen ist. Ich jedenfalls bekenne gerne, selber Masure zu sein und erkenne auch als Nachgeborener noch einige masurische Eigenarten an mir. 🙂 Auch wenn Kosserts Werk an einigen Stellen durchaus kritikwürdig ist, so ist es doch ein absolutes Muß für jeden, der sich näher mit der Geschichte Ostpreussen und Masurens befasst.

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