Alex Capus: Munzinger Pascha

28 Jan

Nach der begeisterten Lektüre von Capus’ „Eine Frage der Zeit“, sollte mir „Munzinger Pascha“, das 1997 erschienene Debut des Schweizers, ein ähnliches Lesevergnügen bescheren. Dieser Wunsch wurde allerdings nur zum Teil erfüllt.

In zwei Erzählsträngen verwebt der Autor die abenteuerliche Lebensgeschichte von Werner Munzinger mit der des Oltener Lokalreporters Max Mohn.

Werner Munzinger, Sohn des schweizerischen Finanzministers Josef Munzinger, zieht es 1852 nach dem erfolgreichem Studium der Naturwissenschaften, Geschichte und Orientalistik aus dem heimatlichen Olten an das Horn von Afrika, in die Gegend des SudanEritreas und Äthiopiens. Neben wissenschaftlichen Expeditionen, betätigt sich Munzinger dort als Leiter von Handelsexpedition und als Konsul. 1865 nimmt er dann als Berater der britischen Militärexpedition gegen den äthiopischenKaiser Theodor II. teil. 1871 ernennt ihn schließlich Ismail Pascha, derKhedive von Ägypten, zum Gouverneur von Massawa und schließlich 1872 zum Pascha und Generalgouverneur des östlichen Sudan. Als solcher fällt Munzinger dann 1875 in einer Schlacht mit den Truppen des Sultan von Awsa.

Alex Capus versteht es, das abenteuerliche Leben Munzingers, in einer von Europäern zu dieser Zeit kaum bereisten Gegend, anschaulich und spannend zu schildern. Wohingegen der zweite Erzählstrang, um den mit seinem Leben unzufriedenen Journalisten Max Mohn, der an einer Schreibblockade leidet und zufällig auf den Namen des prominenten Oltener Bürgers Werner Munzinger stößt, erstaunlich oberflächlich bleibt. Mohn gibt sich einem Impuls hin und reist für einige Tage nach Kairo, um Recherchen über den ehemaligenosmanischen Statthalter einzuholen. Während Munzinger allerdings völlig aus seinem bisherigen Leben ausbricht und letztlich auch sein Ende in der afrikanischen Fremde findet, zieht es den Lokalreporter, anscheinend aufgrund der Bekanntschaft mit einer ebenfalls nur oberflächlich beschriebenen Frau schnell wieder in die heimische Schweiz.

So eindrucksvoll und detailreich das Leben Munzingers illustriert wird, so wenig liebevoll und obsolet ist der zweite Erzählstrang. Weniger ist halt nicht immer Mehr. Insgesamt kann der zu kleine Rahmen aber nicht das Gesamtbild verderben. Ein lesenswerter Roman.

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