Petros Markaris: Die Kinderfrau

27 Jul

Kostas Charitos, Kommissar der Athener Polizei, macht eigentlich mit seiner Frau Adriani Urlaub in Istanbul, um Abstand von den familiären Problemen mit der gemeinsamen Tochter zu gewinnen, die es –entgegen der Tradition- gewagt hat nicht kirchlich zu heiraten. Doch durch eine zufällige Begegnung mit einem Schriftsteller, der als Pontos-Grieche in Istanbul lebt, wird der Kommissar in eine bilaterale Mordermittlung hinein gezogen.

Die Kinderfrau des Schriftstellers wird in Griechenland des Mordes an ihrem Bruder verdächtigt und scheint nun einige alte Rechnungen in ihrer alten Heimatstadt Istanbul bzw. Konstantinopel, wie es die Griechen immer noch nennen, zu begleichen. So macht sich Kommissar Charitos –zwischen Besichtigungsterminen mit seiner griechischen Reisegruppe- als offizieller Kontaktbeamter der griechischen Regierung, zusammen mit seinem in Deutschland geborenen türkischen Kollegen Murat auf die Suche nach einem neunzigjährigen Phantom, dass eine Spur von Käse-Pittas –zum Teil mit Rattengift verfeinert- durch Istanbul legt. Während  Charitos als Grieche bei der türkischen Polizei misstrauisch beäugt wird, schafft es der türkische Kollege nicht, Zugang zu der griechischen Minderheit in Istanbul zu finden. So ergänzt sich das ungewöhnliche Ermittler-Duo langsam bis zum Showdown am Schwarzen Meer.

„Die Kinderfrau“ ist nicht nur ein hervorragender Krimi aus Petros Markaris’ Charitos-Reihe, sondern auch ein sehr tiefgründiges, teilweise biographisches Buch. Makaris ist selber als Pontos-Grieche in Istanbul geboren und verarbeitet die Geschichte der griechischen Minderheit –insbesondere nach dem Pogrom von 1955– sehr gekonnt in einer lakonischen Schnitzeljagd nach einem neunzigjährigen Racheengel. Ein lesenswerter Krimi, der dem Leser -ohne anklagend zu wirken- hierzulande weniger bekannte Hintergründe des griechisch-türkischen Verhältnisses der Gegenwart näher bringt.

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