Birand Bingül: Der Hodscha und die Piepenkötter

23 Apr

Nuri Hodscha ist der neue Imam der islamischen Gemeinde einer nicht näher benannten deutschen Mittelstadt. In Anwesenheit des lokalen Klatschreporters Bob Winter fordert er – die Gunst der Stunde nutzend – ganz unverfroren den Bau einer neuen, repräsentativen Moschee für seine Gemeinde. Das kommt der amtierenden Oberbürgermeisterin Ursel Piepenkötter, die sich ihrer Wiederwahl in 42 Tagen schon so sicher war, natürlich gar nicht recht.

Die beiden ungleichen Kontrahenten liefern sich in bester ‚Don Camillo und Peppone‘ – Manier einen amüsanten Schlagabtausch. Dabei ist ihnen jedes Mittel und jede Gemeinheit recht, sogar der Einsatz des eigenen Nachwuchses zum Ausspionieren des Gegners. Was der Hodscha und die Bürgermeisterin allerdings nicht auf der Rechnung hatten, dass sich Patrick, der Sohn der Bürgermeisterin und Hülya, die Tochter des Imams, verlieben.

Tag um Tag rückt die Wahl näher und die Werte der Bürgermeisterin sinken stetig, bis sie in den Umfragen mit ihrem sozialdemokratischen Mitbewerber gleichauf liegt. Da kommt der Bürgermeisterin die Rivalität zwischen Nuri Hodschas Gemeinde und einer zweiten, tendenziell islamistischen Gemeinde zu Hilfe und beide Kontrahenten schmieden einen Pakt, bei dem für den Imam eine neue Moschee und für die Oberbürgermeisterin die Wiederwahl mit den Stimmen der islamischen Gemeinde auf dem Spiel stehen.

Birand Bingüls burlesker Roman um den Zweikampf zwischen der konservativen Karriere-Politikerin Ursel Piepenkötter und dem etwas unkonventionellen dickköpfigen Imam Nuri Hodscha hat gerade in der Art der Auseinandersetzung und den Dialogen viel von Don Camillo und Peppone, insbesondere das Fussballspiel zwischen den Gemeinden und die Dialoge zwischen Nuri Hodscha und Allah, den er ein ums andere Mal vergeblich zu überlisten sucht, machen diese durchaus gelungenen Anleihen sehr deutlich. Gekonnt persifliert Bingül auch die Mechanismen deutscher Kommunalpolitik und ‚Wahlkämpfe.

Als humorvoller Roman mit vielen amüsanten Böswilligkeiten ist das Buch sehr empfehlenswert. Als ernstgemeinter Beitrag zur Integrationsdebatte taugt er allerdings nicht. Hierfür ist vieles zu klischeehaft. Die Rechtfertigungen des Imam ‚ insbesondere in Bezug auf die Rolle der Frau im Islam – wirken trotz der Sympathie, die die Figur ausstrahlt, unglaubwürdig, die Abgrenzung zwischen dem ‚guten Islam‘ und dem bösen ‚Islamismus‘ zu platt. Trotzdem ein kurzweiliges, lesenswertes Buch, das vielleicht auch gerade durch seine Überzeichnung und Stereotypisierung mehr als einige sogenannte Sachbücher zum Verständnis der jeweiligen Kulturen beiträgt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: