Claudia Weiss: Schandweib

Mit einem spannenden historischen Krimi gibt die habilitierte Hamburger Historikerin Claudia Weiss, die bisher nur mit Sachbüchern zur russischen Geschichte, insbesondere der Emigration, hervortrat, ihren Einstand in der Belletristik.

Auch in Hamburg des Jahres 1701 gibt der junge Jurist Hinrich Wrangel seinen Einstand mit einem Aufsehen erregenden Fall. Als Pflichtverteidiger muss er Ilsabe Bunk verteidigen, die des Mordes an einer Frau, die geköpft am Schweinemarkt gefunden wurde, verdächtigt wird. In den Augen der Öffentlichkeit steht die Schuldfrage der Frau, die jahrelang als Mann gelebt hat und sogar mit einer Frau verheiratet war, schnell fest. Nicht so jedoch für den jungen Advokaten Wrangel, der nur langsam das Vertrauen von Ilsabe Bunk gewinnt.

Nach dem frühen Tod der Eltern flieht Ilsabe, von Verwandten und Dienstherrn ausgenutzt und sexuell bedrängt aus ihrem Umfeld und schlägt sich aus Selbstschutz als Mann verkleidet durch.

Schnell verstrickt sich der junge Jurist Wrangel selber in eine Intrige eines Ratsherrn und auch der Ankläger, der sich kurz vor Ende seiner Amtszeit mit einem Aufsehen erregenden Fall zu profilieren sucht, scheint nicht sehr an der Unschuld der Angeklagten interessiert.

Basierend auf einem authentischen Kriminalfall und eingebettet in die politische und gesellschaftliche Lage Hamburgs, erlaubt die Historikerin Weiss auch einen tiefen Einblick in die Judikatur des beginnenden 18. Jahrhunderts, in der Folter nur noch erlaubt war, wenn dem Delinquenten vorher die Folterinstrumente genau erklärt wurden. Anschaulich wird auch die gesellschaftliche Stellung der Frau in der Hamburger Gesellschaft geschildert oder die Stellung der jüdischen Bevölkerung, der es nicht möglich war das Hamburger Bürgerrecht zu erwerben.

„Schandweib“ ist nicht nur ein spannender, sehr realistischer historischer Krimi, sondern bietet auch ein Panorama Hamburgs und seiner Gesellschaft zu Beginn der Aufklärung.

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