Wolfram Fleischhauer: Torso

2 Dez

Ein grausiger Fund in einem leer stehenden Plattenbau in Berlin-Lichtenberg ruft den 61-jährigen ehemaligen Volkspolizisten Kommissar Martin Zollanger und sein Team auf den Plan. Dem als groteske Skulptur inszenierten Frauentorso mit aufgesetztem Ziegenkopf folgt kurz darauf ein weiterer skurriler Fund. In einem bekannten Szene-Club findet eine Putzfrau einen mit menschlichen Körperteilen gefüllten Kadaver eines Lamms. Das Ermittler-Team steht vor einem Rätsel. Handelt es sich um grausame Ritualmorde? Und was will der Täter mit den Bildern aussagen?

Parallel zu den Ermittlungen versucht die zwanzigjährige Elin Hilger Kontakt zu Kommissar Zollanger aufzunehmen. Sie will den Beamten davon überzeugen den Fall ihres Bruders wieder aufzunehmen, der seinerzeit als Selbstmord eingestuft wurde. Doch Elin Hilger ist davon überzeugt, dass ihr Bruder ermordet wurde und kann mit einigen Ungereimtheiten im Leben ihres Bruders aufwarten, die auf eine Verstrickung seiner ehemaligen Firma BIG hinweisen.

Zieten ist Leiter einer landeseigenen Berliner Bank, die Gefahr läuft in Konkurs zu gehen. Mit einem perfiden Plan versucht er die Schulden auf das Land Berlin abzuwälzen, doch dann wird seine Tochter entführt.

In drei Handlungssträngen, die zunächst keine offensichtliche Verbindung haben, greift Wolfram Fleischhauer in „Torso“ das Thema der Bankenkrise auf und bedient sich dem Vorbild des „Berliner Bankenskandals“. Die Vorgänge um die landeseigene Bankgesellschaft Berlin, deren wirtschaftlicher Zusammenbruch das Land Berlin finanziell in Milliardenhöhe belastete, hatte 2001 den Sturz des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen zur Folge. So weit eine gute Idee für einen Thriller, doch leider verspekuliert sich Fleischhauer diesmal. Sein Protagonist und die anderen Figuren bleiben oberflächlich und stereotyp. Doch es kommt noch schlimmer. Was als Wirtschaftskrimi noch sehr gut begann, wird zu einem schnell skurril werdenden Ost-West-Thriller mit einer gehörigen Portion Stasi, die zusehends unglaubwürdig und schwer nachvollziehbar wird. Die Wendungen in der Geschichte werden immer abstruser und die Auflösung wirkt an den Haaren herbei gezogen.

Der Thriller hat durchaus gute Ansätze und beginnt sehr viel versprechend. Fleischhauer hätte sich hier sicher lieber zwischen Wirtschafts-Thriller mit aktuellem Bezug oder Stasi-Thriller entscheiden sollen, aber das titelgebende Verbrechen ist insgesamt so abstrus, dass auch dieses die Geschichte wohl kaum zu retten vermocht hätte. „Torso“ kommt leider bei weitem nicht an die durchaus anspruchsvollen Vorgänger heran.

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