Nicholas Evans: Die wir am meisten lieben

18 Dez

Nach längerer schöpferischer Pause legt der „PferdepflüstererNicholas Evans mit „Die wir am meisten lieben“ einen bewegende Familiengeschichte  vor, die sich in zwei zeitlichen Ebenen parallel bewegt.

Mit wenig Zuneigung von seinen Eltern wächst Tommy Bedford in einer Familie der oberen Mittelschicht im England Ende der 1950er Jahre auf. Wirkliche Liebe erfährt er nur von seiner um sechzehn Jahre älteren Schwester Diane, die eine aufstrebende Schauspielerin auf dem Sprung nach Hollywood ist. Im Internat von seinen Mitschülern als Bettnässer zum Außenseiter bestimmt, flieht Tommy in eine Welt aus Western-Serien und Wild-West-Romanen, bis ihm seine Familie da Geheimnis seiner Herkunft offenbart und ein neues Leben in der Glitzerwelt des Hollywood der 1960er Jahre beginnt.

Im zweiten Handlungsstrang findet sich der Mittfünfziger Tom Bedford, mäßig erfolgreicher Dokumentarfilmer und Journalist, geschieden und trockener Alkoholiker,  mit einer neuen Familientragödie konfrontiert. Sein ihm völlig entfremdeter Sohn Danny soll vor ein Militärgericht gestellt werden, weil ihm vorgeworfen wird, als US-Soldat im Irak sieben Zivilisten ermordet zu haben. Schlimmstenfalls droht dem jungen Marine die Todesstrafe.

Tom, den die Geister seiner eigenen Jugend einzuholen scheinen, sucht den  Kontakt zu seinem Sohn wieder aufzubauen und setzt alles daran ihm zu helfen und das schlimmste zu verhindern.

Ein gut geschriebener, einfühlsamer Roman über Schuld und Vergessen, ein verdrängtes Familiengeheimnis, die Liebe einer Mutter zu ihrem Sohn und eines Vaters zu seinem Sohn.

Leider ist der Roman aber auch sehr vorhersehbar. Der Leser weiß schon im Prolog um das Schicksal von Tom Bedfords Mutter und auch die familiäre Situation der Bedfords ist schnell erraten. Letztlich bleibt dem Leser nur noch die Spannung der Auflösung der Tragödie. Während sich Evans sehr viel Mühe bei der Schilderung von Toms Hollywood-Jahren, der Beziehungen der Protagonisten und der Beschreibung der Landschaften macht, bleiben andere Episoden nur sehr kurz angerissen. Den Ausgang des Militär-Prozesses gegen Toms Sohn Danny räumt er gerade einmal zwei Seiten ein. Dies wirkt im Kontext doch etwas platt.

Insgesamt bleibt „Die wir am meisten lieben“ doch deutlich hinter dem „Pferdepflüsterer“ zurück. Trotzdem ein gut lesbarer Roman.

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