Hélène Grémillon: Das geheime Prinzip der Liebe

18 Mai

Nach dem tragischen Unfalltod ihrer Mutter liest sich Camille im Paris des Jahres 1975 widerwillig durch die Kondolenzbriefe. Unter den üblichen Platitüden findet sich ein Brief, der anders ist. Handschriftlich und über mehrere Seiten erzählt der mit „Louis“ signierte Brief von der Liebe eines Dorfjungen zu einem Mädchen namens Annie kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Da Camille weder eine Annie, noch einen Louis kennt, geht sie davon aus, dass der Brief ihr aus Versehen zugestellt wurde. Doch jeden Dienstag kommt ein neuer Brief von Louis mit der Fortsetzung der Geschichte, voller Geständnisse und Geheimnisse.

Neugierig geworden beginnt Camille sich für die Geschichte zu interessieren und lenkt sich so von den Problemen ihres eigenen Lebens ab. Doch alle Nachforschungen über den geheimnisvollen Verfasser bleiben erfolglos. Da Camille in einem Verlag arbeitet, vermutet sie zunächst die perfide Idee eines Autoren, der versucht ihr Interesse mit den Episoden seines Romans zu wecken.

Die Briefe nehmen plötzlich eine dramatische und unerwartete Wendung, als der geheimnisvolle Schreiber von Annies Entscheidung erzählt, für ihre reiche Mentorin Madame M., die offensichtlich steril ist, als Leihmutter zu fungieren. Je mehr Camille liest, desto häufiger fallen ihr Parallelen zu ihrem eigenen Leben auf und fängt an, sich zu fragen, ob nicht doch sie der richtige Adressat ist.

„Das geheime Prinzip der Liebe“ ist der gelungene Debütroman der Pariser Journalistin Hélène Grémillon. Der deutsche Titel klingt zwar schön, passt allerdings nicht so richtig zum Roman. Hier hätte sich der Verlag besser am Originaltitel „Le confident“, der Vertraute orientiert. Insgesamt ein sehr einfühlsamer, sehr französischer Roman über die Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart. Auch wenn Kriegszeit-Romane nach dem Muster Junge-trifft-Mädchen-Junge-verliert-Mädchen nicht selten sind, so ist Grémillons Erstling doch in erster Linie die Geschichte starker, von Sehnsucht getriebener Frauen. Stilistisch ist allerdings zu bemängeln, dass die Geschichte in Form eines langen, alles auflösenden Briefes ab der Hälfte des Buches fast nur noch in der Vergangenheit zwischen 1939 und 1943 spielt und dabei Camilles Gegenwart ins Hintertreffen gerät. Trotzdem ein spannender Roman mit lebendigen Charakteren und einer skurrilen Auflösung.

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