Isabel Allende: Mayas Tagebuch

29 Okt

„Mayas Tagebuch“ erzählt die Geschichte von Maya Vidal, die, nachdem ihre Mutter, die sie für eine Prinzessin aus Lappland hält und erst Jahre später wieder sieht, sie als Neugeborenes im Haus ihrer Großeltern zurücklässt. Da auch ihr Vater, Andres Vidal, der als Verkehrspilot selten präsent ist und andere Interessen hat, als sich um seine Tochter zu kümmern, wächst Maya bei ihren Großeltern in Berkeley, Kalifornien auf.

Nidia Vidal, die Großmutter, ist ein Bündel chilenischer Energie und Liebe, die nach dem Tod ihres ersten Mannes, Felipe Vidal, während des Putsches in Chile im Jahr 1973 mit ihrem Sohn Andres nach Toronto floh. In Toronto verliebt sich Nidia in Ditson Paul II, einen Astronomie-Professor, den sie heiratet uns mit dem sie und Andres nach Berkeley ziehen. Dieser wird Mayas Großvater, Vaterersatz und zur einziger männlicher Bezugspunkt in ihrem Leben, den sie liebevoll Pop nennt.

Als Mayas geliebter Pop an Krebs stirbt erleidet Maya einen schweren Schlag und aus dem kleinen Mädchen wird ein rebellischer Teenager, der die Schule schwänzt und sich schnell in der Gesellschaft von Außenseitern an der Schule wiederfindet und erste Drogen- und sexuelle Erfahrungen macht. Der absente Vater und die trauernde Großmutter Nida merken natürlich nichts von dem Wandel, den Maya vollzieht. Als dies doch passiert, ist es schon fast zu spät. Mayas Vater und ihre Großmutter stecken sie daraufhin in eine Rehabilitations-Einrichtung in Oregon.

Obwohl sie dort schnell Fortschritte macht, ist in ihr die Wut, vor allem auf ihren Vater, so groß, dass sie bereits nach kurzem Aufenthalt den Plan fasst, zu fliehen, um ihrem Vater eine Lektion zu erteilen. Bei einem Brand der Sporthalle, sieht sie ihre Chance und flieht. Doch kaum entkommen gerät sie in die Fänge eines sadistischen LKW-Fahrers, der sie auf dem Highway aufliest und in einem Motel vergewaltigt. Maya landet in Las Vegas und hat zunächst noch den Plan ihre Großmutter anzurufen, lernt dann aber Brandon Leeman kennen, einen Drogendealer, der sie als Kurier benutzt.

Leeman behandelt Maya zwar nicht schlecht, doch rutscht sie immer tiefer in einen Sumpf aus Drogen, Gewalt und Verbrechen, denn Leeman plant mit seinem Bruder, einem genialen Geldfälscher, einen großen Coup. Doch Leeman wird von seinen Partnern getötet und nur mit der Hilfe des drogensüchtigen Jungen Freddy kann sie entkommen. Doch nun sind nicht nur Leemans Mörder und der korrupte Polizist Arana, sondern vermutlich auch das FBI Maya auf der Spur, weil sie das Versteck einer beträchtlichen Summe Falschgeldes und der dazu gehörigen Druckplatten kennt.

Maya überwindet ihre Pein und nimmt Kontakt zu ihrer Großmutter auf, der sie alles gesteht, was passiert ist. Zusammen mit Nidia und ihrem besten Freund vernichten sie das Falschgeld und die Druckplatten. Maya wird in einer teuren Reha-Klinik versteckt, wofür ihr vater, den Gewissensbisse, ob seiner Nachlässigkeit in der Erziehung seiner Tochter plagen, fast seine gesamten Ersparnisse aufwendet.

Da es ihrer Großmutter allerdings zu unsicher erscheint, dass Maya weiterhin in den USA lebt, fasst sie den Entschluss, sie bei ihrem alten Freund Manuel Arias auf einer einsamen Insel in Chiloé, im südlichen Chile, unterzubringen.

In Chiloé ändert sich Mayas Leben komplett. Es ist ruhig, aber zu ihrer eigenen Überraschung beginnt sie es zu mögen. Manuel Arias, ein Anthropologe und Soziologe, der über die Mythen in Chiloé forscht und an einem Buch darüber arbeitet, kämpft mit den Geistern seiner Vergangenheit. Während der Diktatur von Augusto Pinochet wurde er gefangen und gefoltert und ist seitdem in Albträumen und einem klaustrophobischen Trauma gefangen. Maya gewinnt schnell die Zuneigung der Einwohner, die sie „die Gringa“ nennen. Sie beginnt an der Schule zu helfen und trainiert das Jugend-Fußball-Team.

Maya möchte Manuel helfen und fängt an Nachforschungen anzustellen, um mehr über Manuels Vergangenheit und auch über die ihrer Großmutter und Nidias ersten Mann, der die Folter nicht überlebte, heraus zu finden, denn alle drei scheinen sich gekannt zu haben. Wie eng Manuels Leben mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden ist, überrascht sie dann allerdings selber.

Mayas Aufenthalt auf der Insel verändert ihr Leben komplett, vor allem als sie sich in den jungen Arzt Daniel aus Seattle verliebt, der als Backpacker auf der Insel strandet, doch dann holt sie der Schatten ihrer Vergangenheit ein.

„Mayas Tagebuch“ ist die lesenswerte Lebensgeschichte einer jungen Frau, die mit Anfang zwanzig bereits die Tiefen des Lebens kennen gelernt hat und darüber hinaus die Geschichte einer chilenischen Familie, die unter dem Putsch von 1973 unmittelbar gelitten hat. Typisch für Allende stehen natürlich zwei starke Frauen im Mittelpunkt des Buches. Die Familiengeschichte der Vidals bildet allerdings nur einen dünnen Rahmen um das Bild einer fast typischen Drogen-Karriere. Insgesamt ein gut lesbarer Roman, der aber hinter vielen anderen Allendes zurückbleibt.

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