Sam Eastland: Roter Zar

30 Okt

Unter dem Pseudonym Sam Eastland publiziert der amerikanische Schriftsteller Paul Watkins seine neue Detektiv-Serie um Inspektor Pekkala, die in der stalinistischen Ära der Sowjetunion angesiedelt ist und deren erster von bisher drei Teilen unter dem Titel „Roter Zar“ nun auf Deutsch erschienen ist.

Seit neun Jahren arbeitet Pekkala als Zwangsarbeiter in einem Gulag in der sibirischen Taiga, als er von Josef Stalin die Chance erhält, als Gegenleistung für seine Hilfe bei der Aufklärung der Umstände des Mordes an der Zarenfamilie und dem Aufspüren des sagenhaften Schatzes der Romanows, die Freiheit zu erhalten und die Sowjetunion verlassen zu dürfen.

Für Pekkala, zweiter Sohn eines finnischen Bestatters, bedeutete die Machtübernahme der Bolschewiken einen rasanten Abstieg. Anstelle seines relegierten Bruders trat er, statt das Handwerk seines Vaters zu erlernen, in die Finnische Garde, ein Leibregiment des Zaren, ein. Bei einer zufälligen Begegnung mir Zar Nikolaus II. wird dieser auf Pekkalas fotografisches Gedächtnis aufmerksam und beginnt diesen zu fördern. Pekkala wird bei der Petrograder Polizei und später bei der Ochrana, der zaristischen Geheimpolizei, ausgebildet. Als Sonderermittler des Zaren, das „Smaragdauge“ genannt, erhält Pekkala von nun an direkten Zugang zur kaiserlichen Familie und wird zum Vertrauten von Nikolaus II.

Nun erhält Pekkala eine zweite Chance und macht sich auf, zusammen mit dem jungen Polit-Kommissar Kirow und seinem verschollen geglaubtem Bruder Anton, der sich jetzt Starek nennt, das Rätsel der Ermordung der Zarenfamilie zu lösen und den Schatz der Romanows aufzuspüren. Denn wer den Befehl zur Ermordung von Zar Nikolaus II. durch die Tscheka gab, ist bis heute tatsächlich umstritten.

In zwei wechselnden zeitlichen Ebenen verfolgt der Leser Inspektor Pekkala und seine beiden Gehilfen bei den Ermittlungen und erfährt die Details von Pekkalas Aufstieg vom einfachen Rekruten zum Sonderermittler des letzten Zaren. Sam Eastland versteht es historische Fakten und Fiktion zu einem spannenden Kriminalroman vor dem Panorama des Untergangs des zaristischen Russlands und der Ära des Stalinismus in der Sowjetunion zu mischen und baut gekonnt Ereignisse, wie die große Hungersnot 1921-24, in die Handlung ein. Dabei vernachlässigt er allerdings ein wenig die kriminalistische Seite seines Romans, die zu banal daher kommt und auch vorhersehbar ist.  Ebenfalls gezwungen wirkt die obsolete Liebesgeschichte Pekkalas mit der Lehrerin Ilja, der er kurz vor der Machtübernahme durch die Roten zur Flucht nach Paris verhalf. Trotzdem ist „Roter Zar“ ein spannender, mit exzentrischen Ermittlern glänzender Kriminalroman, der geschickt Fakt und Fiktion vermischt und einen dezidierten Einblick in eine düstere Periode der Geschichte gewährt.

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