Joel Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

29 Mrz

quebertMarcus Goldman ist der neue Star im amerikanischen Literaturhimmel. Er hat geschafft wovon viele Literaten träumen. Er ist gern gesehener Gast in Talkshows, wird vom Feuilleton gelobt, feiert in seinem Appartement an der Upper East Side Partys mit der New Yorker High Society und hat Dates mit TV-Schönheiten. Doch Marcus hat ein Problem, er leidet unter einer Schreibblockade und sein Agent und sein Verleger sitzen ihm im Nacken, denn er muss seinen Vertrag mit dem Verlag erfüllen und alsbald seinen zweiten Roman abliefern.

Nichts scheint seine Blockade lösen zu können und so flieht er zu seinem ehemaligen Professor und Mentor Harry Quebert, selbst ein großer Schriftsteller, der 1975 mit seinem Bestseller „Die Ursprung des Übels“ Literaturgeschichte schrieb. Im beschaulichen Aurora, New Hampshire, quartiert sich Marcus im Landhaus seines großen Vorbilds ein, um die Schriftsteller-Krankheit zu überwinden und seinen Ruf und seine Karriere zu retten.    

Doch schon kurz nach Marcus‘ Eintreffen wird die Kleinstadtidylle jäh gestört, als bei Gartenarbeiten, ausgerechnet auf dem Grundstück von Harry, die Leiche der vor 33 Jahren spurlos verschwundenen 15 jährigen Nola Kellergan gefunden wird. Dem nicht genug, findet man bei der Leiche auch noch das Skript von Harry Erstlingswerk. Schnell steht fest, dass nur der Literaturprofessor, der Mörder sein kann, denn dieser hatte offensichtlich auch noch eine Affäre mit der Minderjährigen und scheint seinen alles überragenden ersten Roman als Reminiszenz an seine Liebe zu eben dieser geschrieben zu haben.

Nur Marcus Goldman glaubt an die Unschuld seines Idols und beginnt selbst mit Ermittlungen, um „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ ans Tageslicht zu befördern. Schnell entpuppt sich die Fassade der Kleinstadt als Trugbild und Marcus entschließt sich die Ergebnisse seiner Recherchen in einem neuen Roman zu verarbeiten. Die Beziehung von Harry zu seiner Angebeteten Nola erscheint dabei ständig in neuem Licht. Neue Indizien und Verdächtige kommen ins Spiel.  Ein schwuler Magnat und sein malender Chauffeur, eine verbitterte Verehrerin, ein unheiliger Sektenprediger und undurchsichtige Polizei-Beamten. „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ kennt viele Facetten, und so muss Marcus die Rekonstruktion des Kriminalfalls dauernd umschreiben.

Die Spannung kann Dicker so über 700 Seiten durchaus halten, wenn auch die Zahl der Wendungen gegen Ende seine Romans exponentiell steigt. Die Konstruktion als Buch im Buch und die augenscheinlichen Parallelen zu seiner eigenen Biographie können durchaus überzeugen, wenn auch die Wahl der stilistischen Mittel, wie Retrospektiven, Selbstreflexionen, Auszügen aus Romanen und Briefen, sowie die Einbettung realer Bezüge, manchmal etwas überfrachtend wirkt.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ ist kein klassischer Thriller, aber ein klassischer Pageturner auf jeden Fall. Es wird mit Sicherheit nicht der letzte Roman sein, mit dem der Schweizer Jurist Joel Dicker von sich Reden macht.

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