einzlkind: Billy

12 Nov

Als Billy das erste Mal den Schalldämpfer auf seine Walther schraubt, denkt er an Nietzsche, den „großen Immoralisten, den Verbrecher den Antichrist“.

Billy wächst in der schottischen Kleinstadt Duffmore bei seiner Tante Livi und seinem Onkel Seamus auf, der als einfacher Mann die Liebe zur Philosophie entdeckt und an Billy weitergegeben hat. Sein Lieblings-Philosoph ist Nietzsche. Seine Hippie-Eltern haben sich bereits kurz nach seiner Geburt mit einer Überdosis von der Welt verabschiedet. Von ihnen hat er seine Liebe zur Musik geerbt, zu den Ramones und Joy Division, zu James Blake und Franz Ferdinand.

Mit 22 Jahren tritt er in die Firma der Familie ein. Eine Firma, deren Business darin besteht, Auftragsmorde an Mördern zu erledigen. Zwölf Morde wird er im Laufe der Jahre begehen. Mit 34 fährt er nach Las Vegas, um sich mit Whip, einem Mitglied der Familie zu treffen. Gemeinsam wollen sie eine Woche in der Stadt der Spieler und Sünder verbringen. Doch dann wird Billy von seiner Vergangenheit eingeholt und es kommt zum Showdown.

Der Leser begleitet Billy in Kapiteln abwechselnd auf seiner Reise nach Las Vegas und durch seine Lebensgeschichte. Das Geschehen in der Gegenwart beschreibt Billy oft mit kurzen Sätzen, teilweise mit einzelnen Wörtern. So werden seine Gedanken und Assoziationen sehr anschaulich billydargestellt. Die Gefühle und Gedanken sind dem Leser unmittelbar zugänglich. Es entsteht eine Nähe zum Protagonisten, die es einfach macht, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren. Das Vergangene hingegen betrachtet Billy mit selbstreflektierendem Abstand. Die Szenen wirken somit objektiver und sind weniger emotional und assoziativ aufgeladen.

Aber vor allem: Der Schreibstil von einzlkind ist witzig, manchmal gar sarkastisch und hat ein gutes Maß an Humor und ein gesundes an philosophischem Touch. Von der technologischen Entwicklung in Relation zur soziologischen des Menschen, von Fragen der Rache und ob es so etwas wie Gerechtigkeit überhaupt geben kann, von Beobachtungen der Sattheit der Gegenwart in Las Vegas bis hin zum Abgleiten der Kultur in völlige Belanglosigkeiten, von der Frage nach der Bedeutung von Lebensgeschichten und möglicher Empathie überhaupt bis hin zur Bewertung alter Hippie-Zeiten. Bunt und quer durch die Themen der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit treiben die philosophischen Betrachtungen des erstaunlich coolen Billy. Sprachlich mit Tempo, einem präzisen und differenzierten Sprachschatz erzählt und emotional das Innere dieses Mörders auslotend, gelingt es einzlkind fast spielend, den Leser durchgehend an diese so andere, besondere Romanfigur zu binden.

Billy macht definitiv Lust auf mehr. Sicherlich einer der interessantesten Mörder der jüngeren Literaturgeschichte.

Für Fans von Billy könnte aber auch Dr. Peter Brown in Josh Bazell’s Schneller als der Tod ein ebenbürtiges Pendant sein.

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